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Der Künstler und sein Personal als Teil von Sinnbildungsprozessen

Themenfokus: Orte der Kunst. Der Künstler und sein Personal als Teil von Sinnbildungsprozessen                                                                                       

Mittels welcher Operationen macht die dOCUMENTA (13) Kunst oder Orte der Kunst als solche sichtbar? Auf der Suche nach Sinnbildungs –und Entscheidungsprozessen dessen, was wir als kunstrelevant bezeichnen und als Kunst produzieren, rezipieren, theoretisieren, historisieren, ver/kaufen und  archivieren, bin ich auf den Aspekt der Anwesenheit des Künstlers, bzw. den von ihm instruierten Personen gestoßen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden anhand von Fotos zu vier Arbeiten dokumentiert.

 

Fiona Hall, Fall Prey, 2009-2012

Die Künstlerin sitzt vor ihrer Installation, einer mit Camouflage-Muster bemalten Holzhütte, die mit Skulpturen und Klanginstallationen gefüllt ist. Das Thema ihrer Arbeit sind vom Aussterben bedrohte Tierarten. Die Künstlerin wird von einer Journalistin und vielen Ausstellungsbesuchern fotografiert. Durch den so entstandenen „Medienrummel“ bekommt ihre Arbeit eine gesteigerte Bedeutung: Der Betrachter hat das Gefühl, eine prominente Person vor sich zu haben. Weiter kann das Werk einer anwesenden Person zugeordnet und damit kontextualisiert werden.

AND …AND …AND, Verkaufsstand mit Bio-Lebensmitteln, 2012

Die zweite Beobachtung machte ich am Verkaufsstand von AND …AND …AND. Hier wurde ein Mitglied der Künstlerinitiative von einem Journalisten interviewt. Dies wurde durch die Benutzung eines Aufnahmegeräts sichtbar. Zusätzlich hatte sich eine kleine Menschenmenge um den Journalisten und die Künstlerin versammelt. Der Stand, den ich bis dahin als gewöhnlichen Imbiss identifiziert hatte, wurde durch die Interviewsituation zu einem für die documenta (13) wichtigen Ort, zu einem Ort der Kunst. Dass eine Arbeit in Form eines Lebensmittelstandes ausgeführt wurde,  hat meine Erwartungshaltungen durchkreuzt, z.B. die Annahme, man werde bei der Suche nach Nummer 53 auf einen Pavillon oder eine Skulptur stoßen. Die Identifizierung des Verkaufsstandes als Ort der Kunst veranlasste mich, mich dort länger aufzuhalten, alles genau anzusehen und eine Bio-Buttermilch zu kaufen.

Pedro Reyes, Sanatorium, 2012

Im Fall des performativen Projekts „Sanatorium“ ist der Künstler Pedro Reyes nicht selbst anwesend. Vielmehr hat er Personen – genauer Kunststudenten aus Genf – ausgewählt, sie instruiert und den Ort beleben lassen. Sie führen Therapiesitzungen durch. Das Kunstwerk wird demnach von einer Art Personal „betrieben“. Sie sind an Operationen beteiligt, die das „Sanatorium“ als Ort der Kunst markieren indem sie die Erfahrungsprozesse der Rezipienten anleiten, die Ideen des Künstlers transportieren und das Projekt am Laufen halten.

Pierre Huyghe, Untilled, 2011-2012

Weitere vom Künstler instruierte Personen stellen die Gärtner von Pierre Huyghes dar. Drei Personen wechseln sich während der hundert Ausstellungstage ab und betreuen die Hunde, die zur Installation gehören. Zusätzlich arbeiten sie innerhalb der Installation „Untilled“. Durch Aktivitäten wie Unkraut jäten, wässern usw. verändern sie ihr Aussehen. Der Besucher bleibt bei diesen Arbeitsprozessen unbeteiligt, erkennt aber, dass er sich an einem Ort der Kunst aufhält.

 

Hanna Dölle


Kategorien:Exkursionsdokumente
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