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Doppelung und Koppelung von Orten. Ortspezifik

Ursprünglich wollte ich mich genauer mit dem Maybe-Education-Konzept auseinandersetzen. Vor Ort fand ich die Ortspezifik der Einzelwerke so stark und spannend, sodass ich mich nun darauf konzentrierte.
Die Documenta 13 ist die bisher größte Documenta, die es je gab. In der ganzen Stadt wurden Räume, Orte und Häuser gefunden, die nun Teil der Documenta sind. Diese öffentlichen Orte werden im Kontext zu den Werken zu Ausstellungsflächen. Viele Arbeiten wurden speziell für die Documenta in Auftrag gegeben. So hatten die Künstler Zeit sich mit der Geschichte Kassels und den Orten im Einzelnen auseinanderzusetzen. Einige von den Werken entstanden auch direkt vor Ort.
Für mich war überraschend, dass manche Werke ohne diesem Ort gar nicht funktionieren könnten, wie zum Beispiel von Janet Cardiff und Georges Bures Miller der Video- Walk. Man wird von einem I-Pod angeleitet durch den Bahnhof zu laufen und sieht auf dem Abspielgerät denselben Ort. Vergangenheit und Gegenwart treffen am gleichen Ort aufeinander. Man stellt Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Mansche Elemente vermischen sich, sodass es zu einer Gleichzeitigkeit des Ortes kommt.
Ebenfalls im alten Bahnhof ist die Arbeit von William Kentridge. Sein Raum mit fünf Projektionen und einer Atmungsmaschine behandelt unter anderem das Thema der Zeit. Es geht um Zeit, Zeitvermessung, Zeitregulierung, Zeitzerlegung, Beschleunigung und um eine immer gleichbleibende Konstante (Atmungsmaschine). Auch um das Industriezeitalter. Ich verbinde mit einem Bahnhof oft Hektik, Aufbruch, Durchreise, Zeitdruck, Verspätung und Warten. Viel Fremdes und Neues, Ankunft und Abfahrt. Der Bahnhof selbst wurde im Industriezeitalter ein immer wichtiger werdender Faktor.
Im Fridericianum, im ältesten Museum Deutschlands, einem der Hauptgebäude auf dem Friedrichsplatz befindet sich im Erdgeschoss der White Cube. Der Wind weht von der Decke auf den Besucher, es ist wie ein frischer Wind. In der Rotunde ist das Brain von Carolyn Christov-Bakargiev. Durch ihre Sammlung wurde die Documenta für mich verständlicher. Die Kunstwerke sind autonom, harmonisieren aber miteinander im Ganzen.
Das Huggenotten-Haus, ein Abrissgebäude und Teil des Grand Hotels behandelt die Thematik des Recycling, die Vernetzung von Dingen aus Chicago nach Kassel und den dort vorgefunden „Müll“ aus Kassel. Im Gegenzug werden Gegenstände wieder mit nach Chicago aus Kassel mitgenommen. Vergänglichkeit und gleichzeitig Erneuerung aus Dingen die bereits existieren in einem Haus, das zum Abriss bereit steht.
Ein weiterer Ausstellungsort befindet sich im Obergeschoss des C& A. Das Kaufhaus, voller Waren, Überfluss und eine Scheinwelt des glücklichen Konsumierens steht der Arbeit von Cevdet Erek mit „Rhytmen“ gegenüber. Ein weißer fast leerer Raum mit Beat, in dem täglich während der Documenta ein Fenster abgehängt wird.
Das Schafott in Karlsaue steht genau auf der Machtline des Parks hin zur Orangerie. Ebenso der riesige Erdhügel von Dong Song. Dadurch wird die freie Sicht gestört und es müssen Umwege gegangen werden.
Die Documenta 13 ist auf der Suche nach neuen Denkansätzen und versucht durch die Aufarbeitung der Geschichte und die Vernetzung der Kunstwerke mit der Vergangenheit des jeweiligen Ortes neue Brücken für die Zukunft zu bauen. Durch die Ortspezifik können manche Werke nur genau an diesem Ort funktionieren. Die Kunst wird flüchtig. Sie wird nicht mehr für die Ewigkeit produziert.
Sandra Zech

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